Hintergrundbild




Streuobstwiesenretter
Pflegen > Pflegearbeiten im Jahresverlauf > Herbst

Arbeiten im Herbst

Im Herbst ist die Obsternte (vor allem beim Kernobst) in vollem Gange. Eingelagert werden sollten nur gut ausgereifte (nicht un- oder überreife!), gesunde und unbeschädigte Früchte. Deshalb müssen die Früchte bei der Ernte, dem Transport und dem Einlagern immer schonend behandelt werden, damit sich das Obst möglichst lange hält. Reife, jedoch leicht beschädigte Früchte (z. B. mit Druckstellen) sollte man schnellstmöglich z. B. zu Saft weiterverarbeiten und nicht einlagern.

Krankes Obst sollte man aus dem Baum entfernen, da es Ausgangspunkt für Neuinfektionen gesunder Früchte ist. Spätestens im Winter müssen die als Fruchtmumien im Baum verbliebenen Früchte entfernt werden, um den Befall der nächsten Ernte so gering wie möglich zu halten. Aus diesem Grund empfiehlt es sich auch, das unbrauchbare Fallobst unter den Bäumen aufzusammeln und auf einem etwas abgelegenen Komposthaufen zu entsorgen.

Der Spätsommer bzw. der Frühherbst ist auch die beste Zeit, um die Nistkästen auf der Streuobstwiese zu reinigen, da eventuelle Nachmieter der Vögel (z. B. Florfliegen, Fledermäuse) zu diesem Zeitpunkt noch nicht bei der Winterruhe gestört werden. In der Regel ist es ausreichend, wenn das alte Nistmaterial entfernt und das Innere des Kastens mit einer groben Bürste (Haushalts- oder Drahtbürste) gründlich gereinigt wird.

Auch neue Nistkästen hängt man idealerweise im Herbst auf. Bei der Auswahl, Anzahl und richtigen Anbringung der Nistkästen bieten die örtlichen Natur- und Vogelschutzvereine in der Regel gerne Unterstützung an und übernehmen manchmal sogar einen Teil der Kosten. Als weiteren Beitrag zur Nützlingsförderung und zum Naturschutz kann man durch das Anlegen eines Laub- und Reisighaufens auch für weitere Bewohner der Streuobstwiese ein gerne genutztes Winterquartier schaffen.

Um die Bäume ideal auf den bevorstehenden Winter vorzubereiten, empfiehlt es sich, folgende Arbeiten durchzuführen:

Der Stamm der Obstbäume sollte nach Möglichkeit mit einer Bürste gereinigt werden. Dadurch werden lose Rindenteile entfernt, die vielen Schädlingen bzw. Eiern von Schädlingen als Versteck dienen. Die empfindliche Rinde junger Bäume reinigt man am besten mit einer groben Haushaltsbürste. Bei älteren Bäumen kann hingegen eine Drahtbürste oder ein Rindenkratzer verwendet werden. Hierbei sollte sehr vorsichtig vorgegangen werden, damit nur lose Rindenteile entfernt und dem Baum nicht unnötige Verletzungen zugefügt werden.

Nach der Stammreinigung ist es in manchen (vor allem sonnenexponierten) Lagen sehr empfehlenswert, den Stamm der (jungen) Obstbäume mit einem Weißanstrich vor Frostschäden zu schützen. Der Weißanstrich reflektiert die Sonnenstrahlung und verhindert dadurch ein zu starkes Erwärmen des Stammes. Vor allem gegen Ende des Winters herrschen oftmals strenge Nachtfröste, gefolgt von starker Sonneneinstrahlung am Tage. Dies führt (bei nicht geweißten Stämmen) tagsüber zu sehr hohen Temperaturunterschieden zwischen der sonnenzugewandten und der sonnenabgewandten Seite, wodurch Spannungen in der Rinde entstehen. Im ungünstigen Fall reißt dadurch die Rinde (Frostrisse) oder sie löst sich sogar flächig vom Holz ab (sog. Frostplatten). Diese massiven Schäden heilen nur sehr schlecht und stellen außerdem Eintrittspforten für Krankheiten und Schädlinge dar. Als Weißanstrich können zum einen Produkte auf Basis von Kalk verwendet werden (z. B. von der Firma Schacht oder Neudorff). Diese Anstriche halten je nach Witterung und Baumrinde ein paar Wochen bis Monate und müssen jährlich erneuert werden. Zum anderen gibt es auch langlebigere Anstriche (siehe https://www.fluegel-gmbh.de/de/pflanzenschutz/stammschutzfarbe-1/?products=1) die wir seit 2011 an einigen unserer Bäume (bis jetzt mit sehr gutem Erfolg) testen. Neben Frostschäden lässt sich durch diesen Anstrich auch die Gefahr von Sonnennekrosen im Sommer aufgrund von sehr Temperaturen deutlich reduzieren.

Im Herbst sollte auch die Baumanbindung der jungen Bäume kontrolliert und gegebenenfalls erneuert werden, damit die Herbststürme den Bäumchen nichts anhaben können. Der Baum sollte mit einem Kokosstrick so an dem Baumpfahl befestigt sein, dass der Strick durch das Dickenwachstum des Stammes in der kommenden Vegetationsperiode nicht einwachsen kann, wodurch der Saftfluss des Baumes behindert werden würde.

Um einem Frostspannerbefall im kommenden Frühjahr vorzubeugen, sollten im Herbst vor den ersten Nachtfrösten Leimringe an den Bäumen angebracht werden, die die flugunfähigen Weibchen an der Eiablage in der Krone hindern. Mit Beginn der ersten Nachtfröste klettern diese den Stamm hinauf und bleiben dann an den Leimringen kleben. Da diese dort oftmals ihren gesamten Eivorrat am Leimring ablegen, müssen die Leimringe im Frühjahr vor dem Schlüpfen der Jungtiere unbedingt entfernt und entsorgt werden.

Die Baumscheibe der jungen Bäume sollte den Winter hindurch nach Möglichkeit offen und unkrautfrei sein, da dies ansonsten (Wühl-)Mäuse anlocken würde. Diese könnten dann – trotz Wühlmauskorb um die Wurzeln – Nageschäden am Stamm verursachen und den Baum schädigen. Aus dem gleichen Grund sollte ebenfalls die im Frühjahr und Sommer aufgebrachte Mulchschicht entfernt werden. Im Zuge dessen kann auch gleich die Veredelungsstelle der Bäume kontrolliert werden, die sich etwa 10 cm über dem Boden befinden sollte. Andernfalls könnte es passieren, dass die Edelsorte oberhalb der Veredelungsstelle Wurzeln zieht und die Unterlage abgestoßen würde. Dies ist vor allem bei Obstbäumen auf schwächer wachsenden Unterlagen von großer Bedeutung, da andernfalls der regulierende Einfluss der Unterlage verloren gehen könnte.

Da im Winter das Nahrungsangebot für Rehe und Hasen in der Regel recht spärlich ist, werden vor allem dann die Obstbäume als Nahrungsquelle für diese Tiere interessant. Deshalb sollte vor Einbruch des Winters der Verbissschutz des Baumes kontrolliert werden, damit die Drahthose den Stamm der jungen Bäume komplett vor Wildverbiss schützt.

Nach dem Blattfall der Bäume im Spätherbst kann auch mit der Pflanzung neuer Obstbäume begonnen werden. Aus diesem Grund ist es nun höchste Zeit, sich auf die Suche nach geeigneten Obstarten und -sorten zu machen, bevor das Angebot in den Baumschulen nachlässt. Zu dieser Zeit führen auch zahlreiche Naturschutzvereine und einige Kommunen Sammelbestellungen von Hochstämmen durch, die dadurch recht günstig abgegeben werden.

Ebenfalls nach dem Blattfall ist es möglich, mit dem Winterschnitt zu beginnen. Es sollten zuerst die Kernobstbäume (Apfel, Birne, Quitte usw.) geschnitten werden. Mit den empfindlicheren Steinobstbäumen (Kirsche, Zwetsche usw.) wartet man hingegen bis zum Ende des Winters / Anfang des Frühlings. Der Schnitt kurz vor dem Austreiben der Bäume wird von diesen Obstarten besser vertragen und die Wunden verheilen dann deutlich besser.

 

 

 



KONTAKT | IMPRESSUM |
18.04.17 | Reiserbörse und und und...
Lange Zeit haben wir hier keine...
Mehr erfahren
05.11.16 | Obstsorte des Jahres im Geo-Naturpark - der Spitzrabau
Der Spitzrabau ist die "Obstsorte des...
Mehr erfahren
ZURÜCK
Streuobstwiesenretter Streuobstwiesenretter Streuobstwiesenretter Streuobstwiesenretter Kooperationsprodukte Streuobstwiesenretter Streuobstwiesenretter Kooperationsprodukte