Hintergrundbild




Streuobstwiesenretter
Streuobstwiesen > aktueller Zustand der Bestände

Aktueller Zustand der Streuobstbestände in Hessen und im Kreis Bergstraße

In den Jahren 2008 und 2009 wurde durch den BUND Hessen eine Kartierung der hessischen Streuobstbestände durchgeführt, die Aufschluss über die aktuelle Bestandssituation der noch vorhandenen Streuobstwiesen geben und darüber hinaus einen Vergleich mit der Kartierung aus dem Jahre 1986 ermöglichen sollte [1]. Anhand eines standardisierten Kartierbogens wurden insgesamt 52.819 Streuobstbäume in 2.089 Beständen auf etwa 752 Hektar Fläche verteilt erfasst und zum Teil auch deren Alter, Pflegezustand sowie die Obstart ermittelt. Diese Kartierungen bilden die Grundlage zur Beschreibung des aktuellen Zustandes der Streuobstwiesen in Hessen und speziell im Kreis Bergstraße.

Bei der Kartierung im Jahr 2009 wurden 36.177 Bäume nach Obstart erfasst, wobei der Apfel mit 75% den größten Anteil der Streuobstbäume ausmacht, gefolgt von Kirschen mit 7% und Birnen mit 5%. Außerdem entfallen insgesamt 13% auf „sonstige Obstarten“ wie beispielsweise Zwetschgen, Mirabellen und Walnüsse. Vergleicht man die Ergebnisse der aktuellen Kartierung mit denen der Kartierung aus den 80er Jahren, lässt sich eine als negativ zu bewertende Artenverarmung zu Gunsten des Apfels feststellen (siehe Abb. 1).

    

Abb. 1:    Prozentualer Anteil der Obstarten auf hessischen Streuobstwiesen [1]

 

Betrachtet man die aktuellen Obstartenbestände im Kreis Bergstraße, so haben die Äpfel mit 85% einen um 10% höheren Anteil als im Landesdurchschnitt (siehe Abb. 2). Somit ist die Artenverarmung in Richtung Apfel im Untersuchungsgebiet noch deutlicher ausgeprägt, als im Landesdurchschnitt. 

Abb. 2:   Prozentualer Anteil der Obstarten auf Bergsträßer Streuobstwiesen

 

Auf einen Vergleich der Kartierung aus dem Jahre 1986 mit der Kartierung in 2009 wird für den Kreis Bergstraße bewusst verzichtet, da zwei Drittel der 1986 kartierten Flächen und 72% der Bäume auf der Gemarkung der Gemeinde Fürth erfasst wurden, während sich die Kartierung im Jahre 2009 weitestgehend über das gesamte Kreisgebiet erstreckt. Somit sind die damals erfassten Daten nicht als repräsentativ anzusehen und für einen Vergleich ungeeignet.

Neben der Unterteilung der Streuobstbestände nach Obstarten, wurden hessenweit auch 36.948 Obsthochstämme in Altersklassen unterteilt. Obwohl sich die Einteilung der Altersklassen bei der Kartierung im Jahr 2009 von der Klassenbildung der im Jahr 1986 durchgeführten Kartierung unterscheidet, lässt sich doch in Hessen eine deutliche Zunahme bei den jungen Bäumen (1986: 8% der Bäume bis 10 Jahre; 2009: 24% der Bäume bis 15 Jahre) feststellen (siehe Abb. 3). 

Abb. 3:   Hessische Obstbäume nach Altersklassen unterteilt

 

Dies wäre positiv zu bewerten, da für einen dauerhaften Fortbestand der Streuobstbestände ein Jungbaumanteil von etwa 25% bis 30% erforderlich ist. Fraglich ist hingegen, „inwiefern der erhöhte Jungbaumanteil lediglich Ausfluss des [bis zum Jahre 2010 gültigen] § 31 (3) HENatG, bzw. vereinfachter Rodungen ökologisch wertvoller Altbäume ist (laut § 31 (3) HENatG darf die Fällung von Altbeständen erfolgen ohne als Eingriff zu gelten, wenn innerhalb eines Jahres ortsnah Neupflanzungen getätigt werden)“. [2]

Bei der Verteilung der Altersklassen wurde im Kreis Bergstraße im Jahr 2009 hingegen ein mit etwa 7% über dem Landesdurchschnitt liegender Anteil an Jungbäumen (bis 15 Jahre) gezählt (siehe Abb. 4). Auch hier wäre es interessant, den Anteil der im Rahmen von Ausgleichsmaßnahmen gepflanzten Bäume zu kennen, die nach vorheriger Rodung von Altbeständen erfolgt sind. 

       

Abb. 4:  Bergsträßer Obstbäume nach Altersklassen unterteilt

 

Der auf den ersten Blick positiv erscheinende Trend, hervorgerufen durch die zahlreichen Neupflanzungen relativiert sich hingegen recht schnell, wenn man einen Blick auf den ermittelten Pflegezustand der Bäume wirft, der erstmals im Rahmen der Kartierung von 2009 vorgenommen wurde. Bei den hessenweit 1466 bewerteten Beständen, konnte für über 76% lediglich ein höchstens als „mäßig“ zu bezeichnenden Pflegezustand ermittelt werden (siehe Abb. 5). 

Abb. 5:  Pflegezustand der hessischen Streuobstbestände

 

Im Landkreis Bergstraße ist dieser Wert mit 79% bei 275 bewerteten Beständen sogar noch um drei Prozentpunkte schlechter (siehe Abb. 6). 

Abb. 6:   Pflegezustand der Bergsträßer Streuobstbestände

 

Dies ist „alarmierend, da das Streuobst als nutzungsabhängiges Kulturbiotop somit nicht gesund und wüchsig gehalten werden kann“ [2]. Außerdem hat sich durch die Kartierung gezeigt, dass sowohl junge, als auch alte Bestände in allen Kategorien zu finden sind. Trotz allem ist der Pflegezustand der älteren Bäume im Schnitt schlechter, da einige Nachpflanzungen in Form von Ausgleichsmaßnahmen derzeit noch gepflegt werden. Diese Pflege ist jedoch nicht dauerhaft sichergestellt, sodass künftig mit einer weiteren Zunahme der mäßig bis schlecht gepflegten Bestände gerechnet werden kann.

Der im Rahmen dieser Kartierung ermittelte schlechte Pflegezustand der Streuobstwiesen zeigt sehr deutlich das Hauptproblem der Bestände im Untersuchungsgebiet. Obwohl der prozentuale Anteil der neu gepflanzten Bäume relativ hoch ist, mangelt es jedoch vor allem an der für die Vitalität und Leistungsfähigkeit der Bäume so wichtigen Pflege, ohne die sich die Lebensdauer der Jung- und Altbäume deutlich verkürzt. Vor allem führt die fehlende Pflege bei Jungbäumen dazu, dass viele Baumindividuen vorzeitig vergreisen und absterben, bevor sie eine erforderliche Mindestgröße erreichen, die als ökologisch wertvoll zu bezeichnen ist.

Die unzureichende bzw. fehlende Pflege stellt auch die häufigste, im Rahmen dieser Kartierung bei 1.449 Beständen ermittelte Gefährdungsursache dar. Insgesamt wurden lediglich 31,5% der Bestände als „nicht gefährdet“ eingestuft (siehe Abb. 7).

Abb. 7:  Gefährdungsursachen der hessischen Streuobstbestände

 

Entsprechende aussagekräftige Werte liegen für den Kreis Bergstraße nicht vor. Aufgrund von eigenen Einschätzung, die auf langjährigen Beobachtungen beruhen, ist jedoch von einem ähnlichen bzw. tendenziell sogar noch etwas schlechteren Zustand im Kreis Bergstraße auszugehen.

Sollte sich der schlechte Pflegezustand der Jung- und Altbestände innerhalb der nächsten Jahre nicht grundlegend verbessern, so ist bis in 20 Jahren mit einem deutlichen Rückgang der zur Zeit noch vorhandenen Bestände zu rechnen.

Dass durch entsprechende Schnittmaßnahmen eine Revitalisierung der Bestände auch nach vielen Jahren fehlender Pflege möglich ist, konnte bereits im Rahmen eines Forschungsvorhabens der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Veitshöchheim nachgewiesen werden (vgl. BAYERISCHE LANDESANSTALT FÜR WEINBAU UND GARTENBAU 2006).

 

nach oben


[1] Die Daten aller Diagramme dieses Kapitels beruhen auf der BUND-Streuobstkartierung unter http://cms.bund-hessen.de/hessen/dokument/Tabelle_Streuobstkartierung_BUND_Hessen_Endauswertung _Dez_2009.xls, aufgerufen am 21.05.2011. Die Diagramme wurden jedoch selbst erstellt


KONTAKT | IMPRESSUM |
18.04.17 | Reiserbörse und und und...
Lange Zeit haben wir hier keine...
Mehr erfahren
05.11.16 | Obstsorte des Jahres im Geo-Naturpark - der Spitzrabau
Der Spitzrabau ist die "Obstsorte des...
Mehr erfahren
ZURÜCK
Streuobstwiesenretter Streuobstwiesenretter Streuobstwiesenretter Streuobstwiesenretter Kooperationsprodukte Streuobstwiesenretter Streuobstwiesenretter Kooperationsprodukte